das projekt

 

Das Projekt entstand aus einer gemeinsamen Idee der Arbeitsgemeinschaft Bildnerische Erziehung am Pädagogischen Institut und dem vorarlberger architektur institut mit dem Ziel praktische Architekturvermittlung an den Schulen zu fördern. Der mobile Schulbaukasten, raum mobil m 1:1 genannt, wurde von LehrerInnen selbst entworfen. Architekten und Fachleute aus dem Bereich des Holzbaus haben die Entwicklungsarbeit begleitet. Es handelt sich dabei um ein Set an Materialien, mit welchem begehbare Räume in realer Größe gebaut werden können. Die Teile sind so konzipiert, dass der Zusammenbau durch die SchülerInnen selbst möglich ist. Das in dieser Form bereitgestellte Unterrichtsmaterial wird im Schuljahr 2002/03 an 5 Gymnasien des Landes Vorarlberg sowohl in der Unter- als auch Oberstufe im Fach Bildnerische Erziehung als Pilotprojekt erprobt. Die Vermittlungsarbeit an den einzelnen Schulen wird von Architekten, Holzbaufirmen und Finanzierungsberatern begleitet. Der mobile Schulbaukasten ist ein Prototyp. Damit eine Weiterentwicklung erfolgen kann, sind die am Projekt Beteiligten aufgefordert ihre Arbeit mit dem raum mobil m 1:1 ausführlich zu dokumentieren.

 

raum

Für ein Verständnis von Architektur und Städtebau bildet die bewusste Wahrnehmung von Raum die Basis. Raum ist die wichtigste Kategorie, in der sich die Qualitäten gestalteter Umwelt bewerten und verstehen lassen. Zeit und Raum sind Grundlagen der Existenz. Jeder Mensch hat ein Grundbedürfnis an Raum. Raum lässt sich als Hierarchie von Umraumzonen denken: die Haut als unmittelbarste Grenze des Ich, dann Kleidung, Kapsel, Wohnung, Stadt, Land, Biosphäre und Kosmos. Dem persönlich gestalteten Privatraum steht ein vom Einzelnen nur bedingt beeinflussbarer öffentlicher Raum gegenüber. Das Wohlbefinden des Menschen und sein Verhalten werden von den ihn umgebenden Raumqualitäten beeinflusst. Umgekehrt bestimmt der Mensch durch sein Verhalten die Qualität der Räume, in denen er agiert. Grundrissform, Raumhöhe, Fenster, Türen, Einrichtung und Materialbeschaffenheit sind grund- legende Faktoren, welche die Raumqualität definieren. Das Erscheinungsbild eines Raumes wird nicht von der Nutzung allein, sondern auch von “nutzlosen”, spielerischen Gestaltungswünschen geprägt.

 

mobil

Der Schulbaukasten raum mobil m 1:1 wandert von Schule zu Schule. An den Standorten wird er von den SchülerInnen unter Anleitung abgeladen, im Unterricht verwendet und nach Abschluss der Projektwochen wieder verladen und für den Transport zur nächsten Schule bereitgestellt. Die Bauelemente des Sets sind flexibel. Die Einzelteile können den Absichten entsprechend vielseitig verwendet werden. Leichte Abänderungen und Ergänzungen durch eigene Materialien sind möglich und auch erwünscht. Einmal entstandene Räume müssen nicht endgültig sein. Ein Umbau oder Neubau ist jederzeit möglich. Mobilität fördert Kreativität.

 

im unterricht

Der Schulbaukasten dient der möglichst unmittelbaren Vermittlung von Grundlagen raumspezifischer und architektonischer Prinzipien. Der architektonische Raum soll durch tätige Auseinandersetzung experimentell erforscht werden. Raum planen. Der Bogen an möglichen Themen reicht von praktischen Herangehensweisen bis hin zu sehr freien, spielerischen Themenstellungen. Raum bauen. Die Idee soll unter Verwendung des gegebenen Materialiensets ihre reale bauliche Verwirklichung erfahren. Der Zusammenbau der Einzelteile soll möglichst durch die SchülerInnen selbst erfolgen. Raum gestalten. Die zusätzliche Ausgestaltung durch selbst eingebrachte Versatzstücke wie Möbel, Bilder oder Licht ist erstrebenswert. Dadurch wird der Raumcharakter stärker definiert. Raum erforschen. Der in realer Größe vorhandene Raum ist begehbar und somit tatsächlich erlebbar. Unter diesen Bedingungen machen ästhetische Forschungsprojekte erst richtig Spaß. Raum wahrnehmen. Der konkrete Raum ermöglicht die sinnliche Erfassung von Form, Konstruktion, Material, Licht, Akustik und Geruch. Raum erleben und erfahren. Durch das konkrete Raumerlebnis werden über die bloße Wahrnehmung hinaus wertvolle originäre ästhetische Erfahrungen wahrscheinlicher. Raumwirkung erkunden. Sich der Erfahrung von Räumen und damit verbundenen subjektiven Wirkungen bewusst zu werden soll Teil der Auseinandersetzung sein, diese durch Umgestaltung zu beeinflussen das Ziel. Raumcharakter prüfen. Im Rahmen dieser Veränderungsprozesse soll der Raumcharakter geprüft und Faktoren, die diesen bestimmen, sollen thematisiert werden. Raum benennen. Räume werden ihren Funktionen nach bezeichnet. Dass zwischen Nutzung und Raumcharakter ein Zusammenhang besteht, soll bewusst werden. In Schulraum eingreifen. Im und unter gewissen Bedingungen auch außerhalb des Schulgebäudes entstehen unweigerlich neue Zonen. Diese können Anregung für längerfristige, auf die Bedürfnisse der LehrerInnen oder SchülerInnen eingehende Raumadaptierungen sein. Diskussionsraum schaffen. Die Intervention des raum mobil m 1:1 in der Schule ist praktischer Anlass für fächerübergreifende Auseinandersetzung zu Themen der Lebensraumgestaltung.